

Loden:
Geschichte & Materialien
Der Lodenstoff ist ein uraltes und vollkommen natürliches Material. Jahrhundertelang diente er der bäuerlichen Kleidung im Alpen- und Voralpenraum als Grundmaterial. Loden ist ein gewebter Wollstoff, der durch Seife, Wasser und Reibung verfilzt und dadurch stark verdichtet wird. Im 19. Jahrhundert wurden die Webereitechnik, das Walken und das Verarbeiten perfektioniert. Durch die Erfindung der Sommerfrische und des alpinen Berg-, Kultur- und Jagdtourismus fanden immer mehr Gesellschaftskreise Freude an diesem authentischen Material.
Der „Touristen-Loden“: Geschichte und Material
Kaiser Franz-Joseph von Österreich wie auch die Wittelsbacher – besonders, die aus der Pfalz stammenden Herzoge in Bayern, die am Tegernsee beheimatet waren – haben zu einer Popularisierung und Verbreitung des Materials Loden geführt. Mitte des 19. Jahrhunderts führen Bergtourismus und Wanderlust zu einer weiteren neuen Bestimmung: „Outdoor“ und Wanderbekleidung. Die Erfindung der Sommerfrische und die „Entdeckung der Alpen“ haben also maßgeblich zum Siegeszug des Lodens beigetragen. Auch die ersten Bekleidungsstücke für das Skifahren wurden überwiegend aus Loden gefertigt. Daher hat sich im 19. Jahrhundert der Begriff „Touristen-Loden“ etabliert. Eine antiquierte, aber originale Bezeichnung, die wir heute noch verwenden.


Bayerischer Loden, bayerische Tracht
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Territorium des bayerischen Staates neu geordnet und erweitert. Die Wittelsbacher strebten danach, die verschiedenen Landesteile zu einem einheitlichen Staat zu verbinden und den Bewohnern eine gemeinsame bayerische Identität zu vermitteln. Dies erfolgte etwa durch die Förderung eines sogenannten „Nationalkostüms“ und der Landestrachten. Zum ersten Oktoberfest 1810 ließ König Max I. Joseph daher für diesen Anlass spezielle Trachten nach alten Vorlagen schneidern, die von Kindern getragen wurden. Diese Trachten sollten die verschiedenen Landschaften seines Königreiches, Franken, Schwaben, Pfalz und Altbayern, repräsentieren und Baiern – sprich Altbayern – zu einem neuen Bayern mit „y“ transformieren. Dies geschah unter anderem durch die Förderung der Tracht. Der aufkommende Historismus, die Idee des Nationalstaates und die Entwicklung des Tourismus verstärkten die Trachtenbewegung.
Die einfachen, aber praktischen und schlichten Gebirgstrachten aus dem Oberland eigneten sich dazu hervorragend. Neben der Förderung der lokalen Trachtentraditionen in Franken und Schwaben und der Forschung, entwickelte sich die Tracht, die vor allem im Tegernseer Tal, in Miesbach und im Oberland getragen wurde, fast zu einer gesamtbayerischen Tracht, was durch die Trachten- und Schützenvereine gefördert wurde.
Wir sind seit den 1840er Jahren im Lodenhandel und der Konfektion tätig und schauen bald auf fast 190 Jahre Handels-Tradition mit diesem typisch süddeutschen, alpinen Material zurück.
Die klassische Joppe mit Quetschfalte, deren Ursprünge im Tirolerischen liegen, wurde zunächst nur in Loden gefertigt und erst im 20. Jahrhundert in Leinen und Baumwolle. Aus der praktischen Jagdbekleidung (vor knapp 200 Jahren durften nur die Jäger im Tegernseer Tal den grünen Kragen tragen) hat sich der Loden im 19. Jahrhundert so vor allem in der Form der Joppe und des Lodenmantels weiten Kreisen überregional eröffnet. Sodass man auch im Norden in den einschlägigen Häusern Lodenmäntel und Joppen kaufen konnte. Die Idee der definierten regionaltypischen Landestrachten hat sich vor allem in Österreich, Bayern und der Schweiz im 19. Jahrhundert entwickelt – gefolgt von Baden und Württemberg, denn nur im Alpenraum und den drei angrenzenden süddeutschen Bundesländern gehört die regionaltypische Tracht noch zur gepflegten Tradition und zum regionalen Selbstverständnis – und wird nicht als Kostümierung verstanden. Die Trachtenerhaltungsvereine, der Tourismus, eine starke süddeutsche Identität, eine enge Bindung an die Herrscherhäuser – aber auch der regionale Handel haben dazu beigetragen, dass die Idee der Tracht nicht verloren gegangen ist.


