Nahaufnahme eines Stoffes mit den Wörtern "REISE", "LUGGAGE" und "SUIT" in Grün und Rot, daneben eine Schere, gemusterter Tweed-Stoff und ein Etikett, das in der oberen rechten Ecke teilweise sichtbar ist.
Nahaufnahme eines Stoffes mit den Wörtern "REISE", "LUGGAGE" und "SUIT" in Grün und Rot, daneben eine Schere, gemusterter Tweed-Stoff und ein Etikett, das in der oberen rechten Ecke teilweise sichtbar ist.
Eine einfache kastanienbraune Umrissillustration eines aufgerollten Teppichs, der teilweise nach links ausgerollt ist, auf einem hellen Hintergrund.

Loden:
Geschichte & Materialien

Der Loden­stoff ist ein uraltes und vollkommen natürliches Material. Jahr­hunderte­lang diente er der bäuerlichen Kleidung im Alpen- und Voralpen­raum als Grund­material. Loden ist ein gewebter Woll­stoff, der durch Seife, Wasser und Reibung verfilzt und dadurch stark verdichtet wird. Im 19. Jahr­hundert wurden die Weberei­technik, das Walken und das Verarbeiten perfektioniert. Durch die Erfindung der Sommer­frische und des alpinen Berg-, Kultur- und Jagd­tourismus fanden immer mehr Gesellschafts­kreise Freude an diesem authentischen Material.

Der „Touristen-Loden“: Geschichte und Material

Kaiser Franz-Joseph von Österreich wie auch die Wittelsbacher – besonders, die aus der Pfalz stammenden Herzoge in Bayern, die am Tegernsee beheimatet waren – haben zu einer Popular­isierung und Verbreitung des Materials Loden geführt. Mitte des 19. Jahr­hunderts führen Berg­tourismus und Wander­lust zu einer weiteren neuen Bestimmung: „Outdoor“ und Wander­bekleidung. Die Erfindung der Sommer­frische und die „Entdeckung der Alpen“ haben also maßgeblich zum Siegeszug des Lodens beigetragen. Auch die ersten Bekleidungs­stücke für das Ski­fahren wurden über­wiegend aus Loden gefertigt. Daher hat sich im 19. Jahr­hundert der Begriff „Touristen-Loden“ etabliert. Eine antiquierte, aber originale Bezeichnung, die wir heute noch verwenden.

Nahaufnahme von grünem Stoff mit strukturierten Nähten und gestreiften Abschlüssen, einem blau-weiß karierten Stoff und einem Hauch von rot gemustertem Stoff im Hintergrund. Die Stoffe überlappen sich und sind ordentlich angeordnet.
Nahaufnahme der Innenseite eines Mantels, die einen bunt karierten Stoff, graue Wolle und orangefarbenes Material zeigt. Am Rand des karierten Futters ist ein grüner Text in deutscher Sprache aufgestickt. Ein Holzbügel ist teilweise sichtbar.

Bayerischer Loden, bayerische Tracht

Zu Beginn des 19. Jahr­hunderts wurde das Territorium des bayerischen Staates neu geordnet und erweitert. Die Wittels­bacher strebten danach, die verschiedenen Landes­teile zu einem einheit­lichen Staat zu verbinden und den Bewohnern eine gemeinsame bayerische Identität zu vermitteln. Dies erfolgte etwa durch die Förderung eines sogenannten „National­kostüms“ und der Landes­trachten. Zum ersten Oktober­fest 1810 ließ König Max I. Joseph daher für diesen Anlass spezielle Trachten nach alten Vorlagen schneidern, die von Kindern getragen wurden. Diese Trachten sollten die verschiedenen Land­schaften seines König­reiches, Franken, Schwaben, Pfalz und Altbayern, repräsentieren und Baiern – sprich Altbayern – zu einem neuen Bayern mit „y“ trans­formieren. Dies geschah unter anderem durch die Förderung der Tracht. Der aufkommende Historismus, die Idee des National­staates und die Entwicklung des Tourismus verstärkten die Trachten­bewegung.

Die einfachen, aber praktischen und schlichten Gebirgs­trachten aus dem Oberland eigneten sich dazu hervorragend. Neben der Förderung der lokalen Trachten­traditionen in Franken und Schwaben und der Forschung, entwickelte sich die Tracht, die vor allem im Tegernseer Tal, in Miesbach und im Oberland getragen wurde, fast zu einer gesamt­bayerischen Tracht, was durch die Trachten- und Schützen­vereine gefördert wurde.

Wir sind seit den 1840er Jahren im Lodenhandel und der Konfektion tätig und schauen bald auf fast 190 Jahre Handels-Tradition mit diesem typisch süddeutschen, alpinen Material zurück.

Die klassische Joppe mit Quetsch­falte, deren Ursprünge im Tiroler­ischen liegen, wurde zunächst nur in Loden gefertigt und erst im 20. Jahr­hundert in Leinen und Baumwolle. Aus der praktischen Jagd­bekleidung (vor knapp 200 Jahren durften nur die Jäger im Tegernseer Tal den grünen Kragen tragen) hat sich der Loden im 19. Jahr­hundert so vor allem in der Form der Joppe und des Loden­mantels weiten Kreisen über­regional eröffnet. Sodass man auch im Norden in den ein­schlägigen Häusern Loden­mäntel und Joppen kaufen konnte. Die Idee der definierten regional­typischen Landes­trachten hat sich vor allem in Österreich, Bayern und der Schweiz im 19. Jahr­hundert entwickelt – gefolgt von Baden und Württem­berg, denn nur im Alpen­raum und den drei angrenz­enden süd­deutschen Bundes­ländern gehört die regional­typische Tracht noch zur gepflegten Tradition und zum regionalen Selbst­verständnis – und wird nicht als Kostüm­ierung verstanden. Die Trachten­erhaltungs­vereine, der Tourismus, eine starke süd­deutsche Identität, eine enge Bindung an die Herrscher­häuser – aber auch der regionale Handel haben dazu bei­getragen, dass die Idee der Tracht nicht verloren gegangen ist.

Mehrere Stoffmuster in verschiedenen Farben und Mustern, darunter Grau, Blau, Orange und Fischgrät, sind übereinandergelegt. Unter den Stoffen befindet sich ein teilweise sichtbarer Umschlag mit verschnörkeltem deutschen Text.